Chanukka sameach!

Seit gestern Abend ist Chanukka, das jüdische Lichterfest. Jeden Abend nach Nachteinbruch zünden wir an der Chanukkia eine Kerze mehr an, bis am 8. Abend alle neun Kerzen brennen. Die neunte Kerze ist der „Shammash“, der Diener, mit dem die anderen Lichter angezündet werden.

Und wie jedes Jahr hat die allerbeste Grossmutter von allen für die Kinder Überraschungen vorbereitet, für jeden Abend (mindestens) eine. 1000 Dank!

Chanukkakorb

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Tierliebe und ihr Preis

Ich mag Tiere. Jegliche Tiere, mit Ausnahme von Kakerlaken vielleicht, aber selbst die machen mir ausserhalb der eigenen vier Wände nichts aus.

Am liebsten mag ich Pferde. Und Wölfe. Und Katzen.

Katzen vor allem, In jeglicher Form, Farbe und Grösse.

Gestern also kam ich mit unserem Sohn ins Schulhaus, wo sich alle seine Klassenkameraden in heller Aufregung befanden. Sie riefen ihm schon von weitem zu, er müsse kommen und helfen, es sei eine kleine Katze im Schulhaus, die man hinausbefördern müsse.

Ich wollte aber auf keinen Fall, dass er das selbst löst, denn Katzen in Panik sind alles andere als gemütlich. Die kratzen und beissen ohne Rücksicht auf Verluste.

Also ging ich mit. Das Kätzchen, schätzungsweise 2-3 Monate alt, sass hinter einem Rohr versteckt in einer Ecke des Klassenzimmers, umringt von gefühlt hundert aufgeregten Kindern. Das ist so einer Rettungsaktion nicht gerade förderlich.

Prompt bekam ich das Tierchen dann auch nicht richtig zu fassen, sodass es mir bis in den nächsten Raum entwischte. Dort allerdings „versteckte“ es sich so, dass ich es packen konnte, nur leider mit meiner falschen Hand. Beim Griffwechsel entwischte es nochmals, aber nicht weit genug. Ich fasste es also mit der rechten Hand im Nacken (dort, wo auch die Katzenmama es packen würde) und zog es hervor. Leider nicht schnell genug, denn das fauchende, speiende, kratzende, und wild um sich beissende Etwas erwischte mich zweimal: Mit den Krallen zwischen Ring- und kleinem Finger und mit den Zähnen zwischen Daumen und Zeigefinger.

Ich trug das Kätzchen nach draussen, wo es sich sofort zwischen die Büsche absetzte. Es sah gut aus, das Kleine: Saubere, klare Augen, gepflegtes Fell, gut genährt. Also sehr wahrscheinlich nicht krank.

Sofort nach der Freilassung wusch ich meine Wunden mit Seife und Wasser und desinfizierte danach gründlich. Daheim trug ich immer mal wieder Synthomycin Augensalbe auf, die antibiotisch wirkt und schon oft gute Dienste geleistet hat bei der Verhinderung von Infekten nach solchen Verletzungen.

Bloss: Die Tollwut ist in Israel nicht ausgerottet. Immer wieder gibt es Fälle, vor allem bei Hunden und Schakalen. Von Katzen habe ich noch nicht gehört, und auch die anderen Fälle waren geografisch weit weg von uns. Zwei Tierärzte meines Vertrauens versicherten mir, bei uns in der Gegend sei seit Jahren keine Tollwut mehr vorgekommen, ich könne ganz ruhig sein. Trotzdem wollte ich auf Nummer sicher gehen. Ich rief also im Gesundheitsministerium an, wo man mir natürlich telefonisch keine Entwarnung geben wollte (oder durfte) – ich solle vorbeikommen, sagten sie. Bloss, dass ich diese Information erst erhielt, als es für gestern zu spät war… dann solle ich eben zur Notaufnahme, hiess es.

Nach einem Telefonat mit einem befreundeten Krankenpfleger entschied ich mich, nicht zur dorthin zu fahren, sondern den heutigen Tag abzuwarten und dann im Gesundheitsamt aufzuschlagen. Er meinte nämlich, auf der Notaufnahme müsste ich nur endlos warten, um schliesslich mit ebendieser Anweisung nach Hause zu gehen.

Heute morgen war ich also im Gesundheitsamt. Überraschenderweise fingen sie dort wirklich pünktlich um 8 Uhr mit der Arbeit an, und ich war gleich die erste. Die nette Dame hörte sich meine Geschichte an, beriet mit einer Ärztin und entliess mich mit den Worten, da sei gar keine Gefahr, ich bräuchte keine Tollwutimpfung.

Das ist ja nochmals glimpflich ausgegangen! Die Bisswunde hat sich zwar etwas entzündet, ist geschwollen und heiss, aber das lässt sich mit einem Antibiotikum in den Griff kriegen.

Und trotz allem würde ich die Aktion mit dem Kätzchen wieder so durchziehen – da bin ich wohl unverbesserlich 🙂

 

Verraten und verkauft

Seit gestern 17 Uhr Ortszeit ist ein „Waffenstillstand“ in Kraft. Die Anführungszeichen setze ich deshalb, weil ich – leider – aus Erfahrung weiss, dass es sich da eher um eine Art „Waffenruhe“ für eine begrenzte Zeit handelt. Wieder Anführungszeichen, denn ruhig war es hier im Süden schon seit Jahren nicht mehr wirklich.

Raketen, Feuerballons, Feuerdrachen, gewalttätige Demonstrationen und Infiltrationsversuche am Grenzzaun, Reifenverbrennungen – you name it.

Die Hamas und ihre Verbündeten haben in den 24 Stunden des „Kampfes“ über 400 Raketen gegen Israel abgefeuert. Im Minutentakt. Serienweise. So, dass es verschiedentlich direkte Einschlägen gab. Häuser wurden beschädigt, Personen verletzt und getötet. Zivilisten, wohlverstanden. Ein Bus mit Soldaten wurde direkt getroffen, und es ist ein Wunder, dass dabei nur ein einziger Mensch verletzt wurde.

Die Bewohner des Gebietes um den Gazastreifen konnten ihre Häuser – nein, ihre Schutzräume – gar nicht mehr verlassen. Hunderttausende verängstigter Kinder und Erwachsene mussten ihr Leben auf Standby stellen. Die Schulen waren geschlossen, ebenso die Kindergärten. Die Zugstrecke zwischen Beer Sheva und Ashkelon wurde nicht mehr bedient. Dauernd heulten die Sirenen, dauernd gab es Einschläge und dazu noch die Bumms der Abwehrraketen.

Persönlich sind wir dieses Mal glimpflich davongekommen – wir hatten kein einziges Mal Alarm. Nur Anspannung, Unruhe und Stress. Nur geschlossene Schulen und Kindergärten.

Jetzt ist ein „Waffenstillstand“ in Kraft.

Die Bewohner des vom Beschuss betroffenen Gebiets in Südisrael fühlen sich von der israelischen Regierung verraten und verkauft. Im Stich gelassen. Als unwichtig abgetan. Als Bürger zweiter Klasse behandelt.

Denn: Wäre auch nur eine einzige Rakete auf Tel Aviv gefallen, sähe das Bild ganz anders aus. Da hätte es einen Aufschrei gegeben, der Krieg wäre fortgeführt worden. Tel Aviv ist wichtig, Sderot, Netivot und die umliegenden Orte nicht. Das ist die Message, welche die Bewohner des Südens von ihrer gewählten Regierung erhalten haben – ein Schlag ins Gesicht.

Ich bin gegen den Krieg.

Sehr sogar.

Aber wenn ein Krieg unvermeidlich ist, bin ich dafür, ihn bis zum Ende zu führen. Bis zu dem Punkt, wo der Gegner um Gnade fleht. Um dann einen Waffenstillstand zu meinen Bedingungen durchzusetzen.

Es kann nicht angehen, dass die Terrororganisation Hamas Israel das Leben diktiert. Hamas bestimmt, wann wir schlafen dürfen. Hamas bestimmt, wann wir aufstehen müssen. Hamas bestimmt, wann Krieg ist. Hamas bestimmt, wann „Waffenruhe“ ist.

Kein anderer souveräner Staat würde sich ohne mit der Wimper zu zucken mit Raketen beschiessen lassen. Kein anderer souveräner Staat würde nicht zurückschlagen. Kein anderer souveräner Staat würde sich nicht verteidigen – und keinem anderen souveränen Staat würde von der Weltgemeinschaft ebendieses Recht auf Selbstverteidigung abgesprochen.

 

 

 

 

Es ist also vorbei.

Nein. Es ist nicht vorbei.

Nur diese Runde ist gerade vorbei.

Wann geht es weiter?

 

 

Die Auswirkungen

Die letzte Nacht war ruhig. Bei uns. Weiter südlich kamen die Alarme im Minutentakt. Heute morgen hiess es in den Nachrichten, in den letzten 24 Stunden seien gegen 400 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Leider gab es auch direkte Einschläge, Verletzte und sogar Tote.

Die Schulen und Kindergärten in allen Ortschaften im Umkreis von 40 km um den Gazastreifen bleiben heute geschlossen.

Schon seit zwei Tagen wird die Zugstrecke zwischen Ashkelon und Beer Sheva nicht mehr befahren – es ist zu gefährlich.

Die Bevölkerung in den Dörfern nahe des Gazastreifens sollen sich möglichst nicht im Freien und immer in der Nähe eines Schutzraumes aufhalten.

Man steht dauernd unter Strom: Kommt ein Alarm? Wann? Oder vielleicht kommt er doch nicht? Jedes Geräusch, das auch nur annähernd an eine Sirene erinnert, lässt das Herz einen Schlag aussetzen.

Es ist gerade eher schwer auszuhalten…

Brenzlige Lage

Die Lage hier im Süden spitzt sich zu. Es war ja in den vergangenen Monaten nie so ganz richtig ruhig.

Letzte Nacht nun hat die israelische Armee offenbar einige führende Hamas-Terroristen getötet. Daraufhin flogen die Raketen. Nicht bis zu uns, aber die Lage ist sehr angespannt.

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Diese Diashow zeigt die Liste der Alarme, wie sie in der RedAlert App angezeigt werden. Jeder rote Punkt ist ein Alarm, die Liste daneben nennt alle Ortschaften, die in diesem Alarm eingeschlossen sind.

Besuch! Besuch!

In den letzten Wochen war es eher ruhig hier, nicht? Keine Angst, der Grund ist ein schöner: Ich hatte Besuch aus der alten Heimat.

Meine Mama und ihre Jugendfreundin (die zugleich auch meine Patentante ist) machten zusammen eine einwöchige, geführte Israelreise. Danach kamen sie noch für einige Tage zu uns in den Süden.

Ab Samstagabend waren sie bei uns. Meine Tochter fuhr mit ihnen im Zug aus dem Norden bis in unsere Nachbarstadt, wir nahmen dafür die Koffer und das Zusatzgepäck im Auto mit. So war die zweistündige Fahrt einfach zu bewältigen.

Da ich ja sonntags nicht arbeite, hatten wir etwas Zeit füreinander. Zuerst einmal brachte ich aber meinen Sohn zur Schule und ging zum Sport. Danach fuhren wir zu dritt (Mama, Patentante und ich) in die Nachbarstadt, um uns zuerst einmal ein richtig gutes israelisches Frühstück zu genehmigen.  Nach dem reichlichen und guten Essen shoppten wir noch ein wenig (kauften allerdings nichts), bevor ich die drei wichtigsten Sehenswürdigkeiten unserer Nachbarstadt abklapperte und natürlich auch erläuterte. Es war für mich wie ein Ferientag.

Frühstück

Am Montag hatte ich mir Urlaub genommen. Eigentlich war ein ganzer Tag zu dritt in Tel Aviv geplant gewesen, zu guter Letzt fuhren nur meine Patentante und ich. Zuerst zeigte ich ihr meinen Arbeitsplatz und einige der besten Arbeitskollegen, die man sich wünschen kann (Frauen sind mitgemeint 🙂  )Zu Fuss ging es weiter ins restaurierte Templerviertel Sarona, wo wir eine erste Stärkung zu uns nahmen. Natürlich bewunderten wir den Gegensatz zwischen den alten, niedrigen Häusern und den mit Glas verkleideten Wolkenkratzern. Und im Sarona-Market deckten wir uns mit kleinen Leckereien ein. Leider sind mir viele Fotos auf unerklärliche Weise vom Handy verschwunden… deshalb keine eigenen Bilder – diese hier sind von meiner Patentante.

Danach bummelten wir weiter zur Sderot Rothschild, wo wir den Schatten der alten Bäume genossen und die alten Häuser bestaunten, bevor wir uns via Shenkin-Strasse und Carmel-Markt zu einem Restaurant begaben, das uns von einem lieben Kollegen wärmstens empfohlen worden war. Zu Recht! Es schmeckte superlecker, die Bedienung war extrem nett und der Tisch schräg :-), was aber nur das Erlebnis noch unvergleichlicher machte. Von dort aus ging’s mehr oder weniger direkt zum Zug, um daheim dann noch den Wocheneinkauf zu tätigen.

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Am Dienstag war Wahltag, ich hatte frei. Wir benutzten die Gelegenheit, um zu sechst ans Meer zu fahren, natürlich nicht, ohne unterwegs noch eine Lektion in Sachen Unabhängigkeitskrieg mitzunehmen. Am Meer hatte es erstaunlicherweise gar nicht so viele Leute, sodass wir uns gut erholen konnten. Der Wind blies stark genug, um einen Drachen in luftige Höhen zu führen. Daheim gab’s vom besten Ehemann von allen auf dem Grill zubereitetes Fleisch.

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Am Mittwoch arbeitete ich wieder normal, und Mama und meine Patentante besuchten den Souk in unserer Nachbarstadt. Am Mittag holte ich sie von dort wieder ab. Zum Abendbrot waren wir dann alle in ein gutes Restaurant in unserem Dorf eingeladen. Danke! Es schmeckte toll!

Znacht

Ja, und am Donnerstag war dann schon wieder Abreisetag… das war alles letzte Woche, und irgendwie kam ich gar nicht zum Schreiben. Ich gelobe Besserung.

 

Familie mit Fernbedienung

Die Mutter ist das Zentrum der Familie.

Stimmt nicht, sagst du?

Es gibt den neuen Vater und den neuen Patchworkvater und die neue Patchworkmutter und überhaupt.

Ja, aber…

Im Endeffekt geht es ohne die Mutter nicht. Jedenfalls nicht bei allen (lies: bei uns).

Es gibt Tage, an denen die Mutter (also ich) länger als normal arbeite, Überstunden leiste, aus welchen Gründen auch immer. Das ist soweit ok für alle.

Aber…

Das muss natürlich von langer Hand geplant sein. Spontan liegt nicht drin. Denn: Der beste Ehemann von allen sollte daheim mehr oder weniger zugegen sein, jedenfalls wenn es sich um Überstunden im Umfang eines ganzen Nachmittags/Abends handelt. Da braucht es dann zuweilen eine Engelsgeduld, den besonderen Tag immer und immer wieder in Erinnerung zu rufen, damit auch gar nichts geplant ist, das eine längere Abwesenheit des oben genannten Ehemannes zur Folge hätte.

So weit, so gut. Ehemann wird daheim sein, die Kinder sind informiert. Nächster Schritt: Allen einschärfen, die Mama wolle keine, gar keine Telefonanrufe mit irgendwelchen Anfragen von den engsten Familienmitgliedern bekommen. Denn: Papa ist daheim, der ist die Anlaufstelle dafür.

Weiterer Schritt: Man schreibt einen genauen Plan mit Zeiten, Tätigkeiten und Orten (wer macht was, wann und wo. Optional: Warum) und hinterlegt ihn gut sichtbar für das Familienoberhaupt und alle anderen Beteiligten.

So, die Fernbedienung ist programmiert.

Dann geht man frohgemut zur Arbeit und hofft, am Abend alle wohlauf wieder anzutreffen 🙂