Schlaf wird überbewertet

Letzte Nacht war Kacke.

wir hatten ja einen relativ ruhigen Tag, nur um 14 Uhr, um 21 Uhr und um 23:30 Uhr gab es Sirenen. Um Mitternacht waren alle im Bett…

… nur, um um 01:00 Uhr wieder aus dem Schlaf gerissen zu werden. Danach zurück ins Bett – 01:30 Uhr der nächste Alarm. Dann Ruhe bis um 03:30 Uhr… danach noch eine Mütze Schlaf, bis ich um 6 Uhr früh aufgestanden bin, weil ich ohnehin wach war.

Tochter hat die ersten zwei Sirenen verschlafen, Sohn war bis 4 Uhr wach…

Um 7 Uhr fuhr ich kurz zum Supermarkt, um für den Feiertag (Sonntag Abend beginnt Shavuot) noch was einzukaufen. Ich war schon in unserer Strasse, fast bei unserem Haus, als die Sirenen losgingen. Bin rechts rangefahre, Handtasche gepackt, Auto abgeschlossen (Fernbedienung sei Dank) und gerannt. Habs knapp in unsern Schutzraum geschafft, zeitgleich mit den ersten Bumms. Ich war danach ganz zittrig. Und: offenbar habe ich sogar noch die Haustür abgeschlossen, kann mich aber nicht mehr daran erinnern… die Schweizer Gene sind wohl recht dominant 🙂

Diesen Alarm hat übrigens mein Sohn verschlafen, diesmal war die Tochter wach. Und unser Wolf, der un-be-dingt raus wollte, war ganz froh, wieder ins Haus zu dürfen.

Unser Schutzraum

Es ist wohl an der Zeit, mal unseren Schutzraum vorzustellen. Er befindet sich im Erdgeschoss, hat dicke Eisenbetonwände, eine Eisentür sowie ein Fenster mit metallener Klappe vor dem Sicherheitsglas. Die Tür liesse sich bei Bedarf mit einem extra konzipierten Stück Metall luftdicht verschliessen.

Als wir in unser Haus einzogen, war der Schutzraum eine hässliche Abstellkammer, in der sich auch meine Waschmaschine befand. Als wir dann zum ersten Mal in den „Einzugsbereich“ der Raketen fielen, schliefen die Kinder darin auf einer Matratze am Boden – doch kaum war die damalige Militäraktion vorbei, rissen wir alles heraus und gestalteten den Raum neu, hell, freundlich.

Die Vorratsschränke befinden sich heute darin, ebenso der Arzneischrank. Wir haben fliessendes kaltes Wasser und einige Rätselbücher. Zwei ausziehbare Regalschubladen könnten als Esstisch dienen. Es hängen Bilder an den Wänden, und es gibt ein blaues Sofa, das in der Nacht zum Bett umfunktioniert wird.

Und da sind einige Plüschtiere, die uns bei allen bisherigen Alarmen begleitet haben: Rex, ein Ikea-Hund mit zwei namenlosen Jungen, Paddington und der Schlosshund mit nur einem Ohr, den wir aus Schwiegermamas Haus gerettet haben.

Eine ruhige Nacht – bei uns

Letzte Nacht habe ich besser geschlafen. Kein Wunder, so übermüdet wie ich inzwischen bin.

Bei uns gab es nur einen einzigen Alarm, um 1:50 Uhr in der Früh. Die Kinder haben ihn mehr oder weniger verschlafen.

Andere Regionen hatten weniger Glück, da gab es Sirenen quasi im Minutentakt. Ein Ende ist nicht abzusehen, zumal Israel auch deutlich kommuniziert, momentan nicht an einem Waffenstillstand interessiert zu sein. Find ich ok, denn es geht so gar nicht, dass die Hamas uns diktiert, wann Krieg und wann „Frieden“ (sprich: ungefähre Ruhe) ist.

Was mich aber mehr beunruhigt , sind die Ausschreitungen, die von Jerusalem auf alle ethnisch gemischten Städte übergegriffen haben. Araber lynchen Juden, Juden lynchen Araber… in Akko, Haifa, Lod… grässlich! Die Polizei scheint machtlos. Man kann sich endgültig nirgends mehr sicher fühlen.

Tagwach‘!!!!

Die Nacht war unruhig. Ständig hörte ich Bumms, dazu Flugzeuge, die aus der nahe gelegenen Luftwaffenbasis starteten (und ja, man kann am Ton deutlich unterscheiden, ob es sich um Trainingsflüge oder echte Einsätze handelt) – dazu das Horchen nach draussen, ob da vielleicht eine Sirene heult. Nicht, dass man sich sonderlich anstrengen müsste, um die für uns gedachten Sirenen zu hören, davon steht eine nämlich nur etwa 50 Meter Luftlinie von unserem Haus entfernt. Selbst bei geschlossenen Fenstern nicht zu verpassen.

Der letzte Alarm, besser gesagt, die letzte Serie von Alarmen, war gestern Abend, kurz vor 21 Uhr. Da wurde eine riesige Fläche beschossen, hier die Karte:

Um Mitternacht waren wir alle im Bett, ich habe wohl zwischendurch auch etwas geschlafen, aber natürlich nicht wirklich tief. Etwa um 3 Uhr früh hörte ich den Alarm aus unserer Nachbarstadt und die darauf folgenden Bumms. Dasselbe folgte etwas später nochmals, ich habe nicht auf die Uhr geschaut (ist psychologisch besser für mich).

Doch dann, um 4:56 Uhr, heulten die Sirenen auch bei uns. Raus aus dem Bett, rein in den Schutzraum, wo die Kinder „schlafen“. Mein Sohn erzählte dann auch prompt, seine ganze Klasse sei um 3 Uhr früh wach und auf WhatsApp gewesen, aufgeweckt durch den Alarm aus der Nachbarstadt. Einige seiner Kameraden haben im Haus keinen Schutzraum…

Nach den obligatorischen 10 Minuten im Schutzraum liessen wir uns wieder in unsere Betten fallen, in der Hoffnung, bis mindestens 6 Uhr noch ein bisschen ausruhen zu können. Pustekuchen! Um 5:42 Uhr kam die nächste Sirene.

Naja, jetzt bin ich auf. Wach nicht wirklich, mein Kopf ist ein bisschen wie Watte. Mal sehen, wie der Tag wird.

Wächter der Mauern

So. Die Aktion hat jetzt einen Namen bekommen, Wächter der Mauern. Das bedeutet, dass es wohl noch länger andauern kann mit diesem „Schlagabtausch“.

Bei uns war es heute ziemlich ruhig – nur die Bumms über Ashkelon grummelten ständig im Hintergrund, mal lauter, mal leiser. Der erste Alarm kam um die Mittagszeit rum. Mehrere Sirenen in rascher Folge, viele Bumms. Wir sassen ziemlich lange im Schutzraum, doch gegenüber anderen Gegenden sind wir immer noch sehr privilegiert. Andere haben nur 15 Sekunden vom Alarm bis zum Einschlag, wir haben deren 45. Andere werden ununterbrochen beschossen, wir können zwischendurch unseren normalen Tätigkeiten nachgehen. Andere verlieren ihre Häuser, werden verletzt oder noch schlimmer… wir sind bisher verschont geblieben.

Die zweite Alarmserie kam um 20:45 Uhr… Raketen bis nach Tel Aviv und darüber hinaus. Wieder mehrere Sirenen hintereinander, die App kam aus dem Piepsen gar nicht mehr raus.

Wir beten um eine ruhige Nacht für alle.

Dieses Lied von Omer Adam möchte ich hier lassen. Der Text ist Psalm 121, hier in der Uebersetzung, besser gesagt: Verdeutschung, von Martin Buber und Stefan Rosenzweig:

Ein Aufstiegsgesang. Zu den Bergen hebe ich meine Augen: Woher wird meine Hilfe kommen? Meine Hilfe ist von IHM her, der Himmel und Erde gemacht hat. Nimmer gebe deinen Fuss er dem Wanken, nimmer schlummre dein Hüter! Wohl, nicht schlummert, nicht schläft er, der Hüter Israels. ER ist dein Hüter, ER ist dein Schatten über deiner rechten Hand. Tags schlägt dich nicht die Sonne noch Mond bei Nacht. ER hütet dich vor allem Bösen, hütet deine Seele. ER hütet deine Ausfahrt und Heimkunft von jetzt an bis hin in die Zeit.

Und hier noch die gewohntere Uebersetzung von Martin Luther:

Ein Wallfahrtslied. Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Und wie war deine Nacht?

Einige Fakten zur letzten Nacht:

  • es wurden über 200 Raketen auf Israel abgefeuert
  • „letzte Nacht“ umfasst einen Zeitraum von knapp 12 Stunden
  • 1/3 dieser Raketen fielen innerhalb des Gazastreifens und richteten dort Schaden an
  • wahrscheinlich wird Israel dann für diese Schäden beschuldigt
  • über 90% der Raketen, die in Israel eingeschlagen hätten, wurden vom Abwehrsystem Iron Dome abgefangen
  • es gab trotzdem Einschläge in Wohnhäuser
  • 6 Personen wurden verwundet, eine davon schwer – 4 davon sind aus ein und derselben Familie

Die Kinder waren für die Nacht im Schutzraum einquartiert. Ich habe einige Stunden wohl ziemlich tief geschlafen (erst dann, als der beste Ehemann von allen wohlbehalten von der Hochzeit zurueck war), wurde dann aber früh wach und konnte dank des Lärms der Abwehrraketen über Ashkelon nicht mehr einschlafen. Die ganze Nacht hat es wohl so gerummst, ich sehe das an den Alarmen in der App.

Kindergärten und Schulen, aber auch Universitäten und Institute für Erwachsenenbildung und berufliche Weiterbildung im Umkreis von 40 km um den Gazastreifen sind heute geschlossen. Wer eine Karte hat, möge bitte mal draufschauen: Diese Definition umfasst das ganze Gebiet zwischen Ashdod, Ashkelon,Gedera, Yavne, Mazkeret Batya, Kiryat Ekron, Kiryat Malachi, Kirjat Gat und Beer Sheva. Das bedeutet, dass aus diesem Gebiet ganz viele Eltern nicht zur Arbeit fahren können, weil keine Kinderbetreuung stattfindet… über eine halbe Million Schüler und Schülerinnen sind betroffen. Bei uns im Dorf ist niemand draussen zu sehen. Alle scheinen der Dinge zu harren, die da möglicherweise kommen… es ist so eine angespannte Erwartung, in der man manchmal fast hofft, es möge einen Alarm geben, damit die Spannung endlich abgebaut wird. Paradox, nicht? Ist aber so.

Angekündigter Angriff

Seit Tagen gibt es in Jerusalem gewalttätige Unruhen. Die arabische Bevölkerung wirft Steine, greift Soldaten, Polizisten und Zivilisten an, vor allem auf dem Tempelberg und in seinem Umkreis. Heute kam es zu einem Beinahe-Lynch an einem Taxifahrer und seinem Passagier, den zum Glück ein beherzter Polizist verhindern konnte.

Auf dem Heimweg las ich im Internet, die Zuglinie in den Süden sei wegen der von Brandballons verursachten Brände und der Unruhen am Grenzzaun gesperrt, ebenso wie mehrere Strassen. Doch das ist noch nicht alles.

Eigentlich wären wir heute auf eine Hochzeit eingeladen gewesen, der beste Ehemann von allen und ich, nach Beer Sheva. Ich habe mich sehr darauf gefreut, einerseits, weil ich gerne mit meinem Mann ausgehe, andrerseits, weil ich dort mehrere näher und weiter verwandte Familienmitglieder getroffen hätte – und weil ich seit über eineinhalb Jahren nicht mehr auf einem Fest war. Eigentlich wäre ich also jetzt auf einer Hochzeit. In Wirklichkeit sitze ich mit den Kindern daheim, in Reichweite des Schutzraumes. Der beste Ehemann von allen musste alleine fahren, gemeinsam mit seinem Schwager. Wäre es nicht eine Hochzeit von Verwandten, hätten wir wohl beide verzichtet.

Warum?

Die Hamas stellte heute Nachmittag ein Ultimatum (Wer sind die eigentlich??? Erst Unruhen anzetteln, dann Bedingungen stellen, wenn Israels Reaktion darauf ihnen nicht behagt? Echt jetzt!). Es lautete: Entweder, Israel zieht alle Soldaten und Polizisten vom Tempelberg ab, oder…

Was „oder“ bedeutet, wissen wir hier leider zu Genüge. Und wirklich: Um 18:03 Uhr, die Nachrichten waren noch nicht einmal zu Ende, ertönten die ersten Sirenen – ausgerechnet in Jerusalem. Sieben Raketen wurden auf die Hauptstadt abgefeuert, sechs davon abgefangen. Die siebte richtete Sachschaden an.

Doch auch das ist noch nicht alles. Meine Raketen-Warn-App piepst in kurzen Abständen. Ich habe sie so eingestellt, das ich nur die für mich relevanten Alarme als Sirene höre (also unser Dorf und zwei, drei nahe Nachbardörfer). Alle anderen Alarme machen nur einen kurzen Ton, ähnlich einer WhatsApp-Nachricht. Hier eine (teilweise!) Auflistung der Zeiten, zu denen es in Südisrael Alarme gab:

18:15:42 – 18:16:02 – 18:17:48 – 18:18:03 – 18:25:39 – 18:26:03 – 18:34:08 – 18:37:56 – 18:43:31 – 18:59:13 – 19:06:38 – 19:08:44 – 19:30:42 – und das deckt nur die ersten eineinhalb Stunden ab.

Alle Schulen in Umkreis von 40 km vom Gazastreifen bleiben morgen geschlossen. Meine Tochter hat offenbar Zoom-Unterricht, mein Sohn soll Aufgaben lösen, und es ist ein Gespräch mit dem Klassenlehrer angesetzt. Ich selber arbeite glücklicherweise morgen ohnehin von daheim aus.

Die Nacht wird wohl kurz werden. Denn sogar, wenn es bei uns keine Alarme gibt – man schläft mit einem Ohr draussen. Man hört die Bumms der Raketenabwehr, und die sind ziemlich laut. Man hört die Flugzeuge. Man wartet auf die Sirene, schreckt bei jedem Geräusch hoch…

Die Lage ist sehr angespannt, es sieht momentan nach einer ernsthaften Eskalation aus. War ja auch schon zu lange „ruhig“, nicht?

Update: Bis jetzt (22:22 Uhr) wurden über 90 Raketen auf Israel abgefeuert.

Same procedure as last year…

Wer kennt es nicht, dieses Zitat aus Dinner for One? Wer kennt nicht James den Butler, der einsam und allein für die lange verstorbenen Tischgenossen seiner Miss Sophie servieren – und trinken – muss? Der dabei immer wieder über den Kopf des Tigerfells am Boden stolpert? Ueber den wir an jedem Silvester auf mehreren Fernsehkanälen lachen können?

Momentan hat dieses Filmzitat hierzulande gerade eine ganz andere Bedeutung. Seit etwa einer Woche fliegen wieder Brandballons aus Gaza nach Israel. Es gibt täglich mehrere Brände, vorläufig „nur“ in den an den Gazastreifen angrenzenden Gemeinden, doch je nach Wind kann sich das rasch ändern. Durch die zunehmende Hitze und die sommerliche Trockenheit werden die Feuer sich auch immer rascher ausbreiten und die Feuerwehr an ihre Grenzen bringen. Same procedure as last year eben. Hier findest du eine immer wieder aktualisierte Karte der Brände.

Gleichzeitig gibt es immer mehr Unruhen in Jerusalem, und Nasrallah, seines Zeichens Häuptling der Hisbollah, hat seine Leute aufgefordert, aus Gaza und aus der Westbank den „Befreiungskampf unserer palästinensischen Brüder in Jerusalem“ aufzunehmen und mitzutragen – sprich: Unruhe und Terror zu stiften.

Es gab in den letzten Tagen mehrere Anschläge, zum Teil halbwegs geglückt, zum Teil dank der Aufmerksamkeit der Menschen hier verhindert. Die Gewalt und die Spannung steigen, die „Spirale“ dreht sich weiter. Blöd nur, wenn immer nur die eine Seite den Schubs zum Weiterdrehen gibt.

Wie geht es weiter? Keiner weiss es, doch vorläufig wird die Lage eher immer angespannter. Same procedure as last year, James. Leider.

Lag ba’Omer bei uns – und anderswo

Letzten Donnerstag Abend begann hier Lag ba’Omer, der 33. Tag der Omerzählung. Traditionell werden Lagerfeuer entzündet, und als die Kinder kleiner waren, organisierte der Elternrat der jeweiligen Klasse jeweils einen Kumsitz (ein gemütliches Zusammensein) mit Grillen und allem Drum und Dran.

Letztes Jahr waren wegen Corona alle Zusammenkünfte abgesagt. Wir feierten zu viert in unserem Garten, mit Grillfleisch, selbstgemachten Pitot, Kartoffeln und Marshmellows. Es war anders als sonst, aber sehr gemütlich.

Dieses Jahr waren wir eigentlich zu Verwandten des besten Ehemannes von allen eingeladen – doch als die Kinder uns mitteilten, sie würden gerne Freunde in den Garten einladen, beschlossen wir, uns aufzuteilen. Der beste Ehemann von allen würde zur Einladung fahren, ich daheim die Stellung halten.

Wir richteten also den Garten gemütlich ein

und um 19 Uhr kamen die Gäste: die Clique (für Nichtschweizer/innen: feste Freundesgruppe) meines Sohnes, bestehend aus zwei Jungs und zwei Mädels, und dazu noch eine Freundin meiner Tochter.

Wir zündeten die beiden Feuer an, und dann wurde gegrillt, gegessen, getrunken, gelacht, gesungen, geredet und getanzt. Es war rundum friedlich und entspannt. Und es tat in der Seele wohl, diese jungen Leute so ungezwungen und gelöst zu sehen.

Um 23:30 Uhr gingen die letzten Gäste nach Hause, wir konnten fertig aufräumen und dann – nach Mitternacht – auch schlafen gehen.

Was wir erst am nächsten Tag aus den Nachrichten erfuhren: in Meron, bei der traditionellen Lag baOmer-Feier am Grab von Rabbi Shimon bar Jochai, wurden in einer Massenpanik 44 Menschen zu Tode getrampelt (inzwischen sind es 45 Tote, da einer der 150 Verletzten seinen Verletzungen erlegen ist).

Ganz Israel ist schockiert. Man rief für Sonntag einen nationalen Trauertag aus, und schon ab Freitag wurden im Radio keine Werbungen mehr gesendet. Sämtliche Lieder waren traurig, die Flaggen hingen auf Halbmast.

Natürlich wird jetzt heiss diskutiert, wer denn nun die Schuld trage an diesem Disaster.

Die Schuldfrage bzw. deren Klärung wird nur leider die Toten nicht zu ihren Familien zurückbringen. 45 Väter, Brüder, Söhne sind so sinnlos gestorben. Sinnlos deshalb, weil schon lange genau vor einem solchen Szenario an genau diesem Anlass gewarnt wurde. Die Katastrophe war nur eine Frage der Zeit und hätte wohl mit den richtigen Massnahmen verhindert werden können.

Ich hoffe, dass Lehren für die nächsten Jahre nicht nur gezogen, sondern dann auch um- und durchgesetzt werden.

Unruhige Ruhe (vor dem Sturm?)

In Israel wird es brenzlig. In Jerusalem und Yafo (Jaffa) kam es letzte Woche mehrmals zu Angriffen von Arabern auf (deutlich erkennbar religiöse) Juden.

Als wäre das nicht genug, brodelt es nun auch im Süden wieder. Letzten Shabbat wurden rund 40 Raketen von Gaza aus auf Israel abgefeuert. Keine von ihnen richtete ernsthaften Schaden an, aber kannst du dir vorstellen, was so ein Alarm mit den betroffenen Menschen macht? Herzrasen, Panik, Beklemmung – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Einige verletzen sich auch auf der Flucht in den Schutzraum. Bedenke, dass dort, wo diese Raketen gefallen sind, magere 15 Sekunden vom Alarm bis zum Einschlag bleiben.

Bisher fallen alle Raketen weit südlich von uns, doch ich verfolge die Nachrichten sehr genau. Ab dem Zeitpunkt, zu dem unsere südliche grössere Nachbarstadt beschossen wird, schlafen die Kinder unten, im Schutzraum.

Die Raketen am Shabbat waren übrigens nicht die einzigen: Fast jede Nacht heulen inzwischen irgendwo die Sirenen…